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Die Eskalationsstufen unserer Hunde


"Eskalation" - ok, betrifft mich nicht, hab ja einen netten Hund.


Nicht so schnell.


Ich lehne mich mal jjjjanz weit aus dem Fenster und behaupte, dass wir alle (mich eingeschlossen) jeden Tag Signale von unseren Hunden übergehen.

Ich arbeite gerade an mir, die Signale meiner Hunde früher zu erkennen, damit sie nicht jeden Tag das Gefühl haben müssen, mir einen Backstein an den Kopf zu schmeißen, damit Spezies Mensch mal kapiert.


Aber fangen wir von vorne an, da wo dieser Denkanstoß entstanden ist. Nämlich vorgestern, als ich die Ohren bei einem meiner Trainingshunde (Alba) kontrollieren wollte. (Die Lockenköpfe haben mit Augen und Ohren oft Probleme und ich überprüfe das vor den Trainings oft.)


Die Hündin kennt die Prozedur und dennoch taucht sie vorgestern unter meiner Hand weg.

Tadaaa, Frau Rother, du hast Signale, die die Hündin dir definitiv vorab gesendet hat, übersehen, weil du gleichzeitig mit der Halterin gesprochen hast.

Ich habe mich sofort rausgedreht und die Hündin kurz danach zu einer Sozialgeste eingeladen, damit war die Situation wieder entspannt.


Frage an meine Kundin: War in letzter Zeit etwas mit den Ohren?


"Nein, aber ich muss seit ein paar Tagen Augentropfen geben."


All right, auf dem Plan stand Leinenführigkeit, das rutschte damit weiter nach hinten und wir haben erst einmal über Medical Training gesprochen, was jetzt trainiert wird. Die Hündin wird lernen ihren Kopf in die Hände der Halterin zu legen und sich in Ruhe Augen und Ohren kontrollieren und gegebenenfalls reinigen und Pflegen zu lassen. Dann konnten wir uns dem nächsten Thema Leinenführigkeit widmen.


Kurze Zeit später erreicht mich ein Anruf, dass ein Hund ein Kind angeknurrt hat. Diese Situation wir uns sehr häufig geschildert, daher erklären wir stets, dass der Hund vorab Signale gesendet hat, dass das Kind zu nah, zu übergriffig etc etc ist und die Signale des Hundes übergangen wurden, daher der Hund bis zum Knurren gehen MUSSTE, um sich zu schützen.


"Was haben Sie daraufhin getan?", " Ich habe den Hund angebrüllt, ihn mir gepackt und ihn aus dem Zimmer geworfen." Stille. " Ich fürchte, das war nicht richtig?" "Sie haben menschlich gehandelt, lassen sie uns daran arbeiten, dass wir das nächste Mal die Situation besser lösen."


Nach dem Training und nach dem Telefonat, habe ich mir einen Vermerk ins Handy gemacht, dass wir hinsichtlich der Eskalationsstufen unserer Hunde dringend mehr aufklären müssen, denn Alba hätte mich auch (vollkommen zu recht anknurren dürfen), wenn ich ihr "Kopf abwenden" und damit ein klares Signal übergangen hätte.


Das wichtigste in aller Kürze (jetzt, wo ihr schon so viel lesen musstet):

Hunde setzen Signale ein, auch Drohsignale, um einen Ernstkampf solange wie nur irgend möglich zu vermeiden.

Genau, wie wir Menschen, die von jemanden angepöbelt werden, erst einmal rückwärts gehen und die Hände beschwichtigend heben und senken... "hey, beruhig dich mal."


Wenn wir die Signale ignorieren, MUSS der Hund die nächst höhere Stufe wählen, um "verstanden" zu werden. Wenn wir die Signale unserer Hunde bestrafen, beispielsweise, in dem wir unsere Hunde in die Seite "pieken" oder sie anbrüllen, können wir dafür sorgen, dass die Eskalationsstufen überspringen und in einer anderen Situation nach einer kurzen Warnung direkt zuschnappen. Diese Hunde sind im wahrsten Sinnen UNERHÖRT.


Jetzt zur Ausgangslage. Eskalation betrifft uns nicht? Macht mal ein Video davon, wie ihr eurem Hund ein Geschirr anlegt oder ihn anleint und schaut, welche Calming Signals (Übersicht) er euch sendet, um euch zu beschwichtigen und die Situation zu deeskalieren.

Wenn wir uns unsere Hunde einfangen oder festhalten, um ihnen beispielsweise ein Geschirr über zu stülpen, dann übergehen wir diese Signal.

Decodieren wir das Signal des Hundes aber und senden ein